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Jugendwehren und Jugend rotkreuzüben gemeinsam: Die Schule brennt

Hand in Hand üben die Jugendlichen in Reichelsheim gemeinsam: Jakob, Lena und Emily vom Jugendrotkreuz kümmern sich um den "Verletzten" Til, der von zwei Jugendfeuerwehrleuten auf der Trage zur Sammelstelle gebracht wurde.

REICHELSHEIM (ida). "Hurra, hurra die Schule brennt" daran erinnerte das Szenario der Gemeinschaftsübung aller Reichelsheimer Jugendwehren am Samstagvormittag. Ihre Schule brennen sehen, das wollten erstaunlicherweise die wenigsten der Nachwuchs-Feuerwehrleute. Gegen elf Uhr zündete Feuerwehrmann Torsten Rieß die erste Rauchfackel vom Schuleingang. Drinnen riefen Kinder und Erwachsene um Hilfe. Sirenen-Alarm schallte durch Reichelsheim. Mit Blaulicht rauschten die Feuerwehrfahrzeuge herbei. Raus hüpften neben den Betreuern Kinder und Jugendliche in der blau-oranger Jugendwehr-Montur. Wie gelernt, stellten sie sich hinter ihren Einsatzwagen auf, warteten ab, was die Abschnittleiter erklärten: Während eines Unwetters vorm Schulfest schlug der Blitz in die Schule ein. Lehrer und Kinder sind in der brennenden Schule eingeschlossen. Ein Teil der Schüler flüchtete ins Wäldchen, hier stürzten Bäume um, auf die schutzsuchende, verstörte Schar. Ein am Bürgerhaus geparktes Auto, in dem Kinder eingeschlossen waren, fing Feuer. Viel zu tun für die rund 80 Jugendlichen von Feuerwehr und Jugendrotkreuz mit ihren Betreuern. Eilig wurden Schläuche gerollt, gekuppelt.

Gut zwei Dutzend Zuschauer unter ihnen Eltern, erster Stadtrat Dieter Falzmann, Stadtverordnetenvorsteher Holger Strebert, Vize-Stadtbrandinspektor Bernd Philippi und Stadtjugendfeuerwehrwartin Silke Marloff beobachteten die Szenerie. Klar, dass an dieser Übung, einiges nicht so lief, wie geprobt: Mal gelang das Schlauchauswerfen nicht. Dann legte sich ein Knick rein, den flugs Feuerwehrmann Strebert entfernte. Überall waren Betreuer da, die mit Rat und Tat zur Seite standen. Sie fragten: "Wie hältst du das Strahlrohr?" Überm Kopf, sei das viel leichter, außerdem müsse er aufs Dach spritzen, entgegnete der Jugendfeuerwehrmann. "Wie spritzt das Wasser, was war eben die Ansage", fragte Florian Wilhelm seine Schützlinge von der Heuchelheimer Feuerwehr. "Oh, hab ich vergessen", kam's zurück. "Wir sollten auf Sprühstrahl gehen", sagt Nico und legt den Hebel am Rohr etwas um. "Beim Vollstrahl kommt das Wasser viel härter raus, da könnten die Dachziegel wegfliegen", erklärt er.

Derweil schieben im Wäldchen junge Feuerwehrleute vorsichtig hölzerne Keile und ein Hebekissen unter einen Baumstamm, der auf einer roten Dummi-Puppe liegt. Zwei Kameraden stehen mit der Trage bereit, um auch den "Verletzten" zur Sammelstation am Parkplatz zu bringen. Hier warten die Helfer vom Jugendrotkreuz auf die Verletzten. Decken liegen bereit, Latexhandschuhe sind über die Hände gestreift. Erfahrene Helfer sind zur Stelle. "Hallo, junger Feuerwehrmann, zurück, erst noch die Griffe einschieben", fordert eine DRK-Betreuerin. Derweil kümmern sich ihre Schützlinge um den "verletzten" Til, der partout nicht auf die Fragen antwortet. "Er hat eine Kopfverletzung", diagnostizieren die Ersthelfer. Sie holen Decken herbei, rufen nach einem Arzt.

Über Funk ist von einem weiteren Unfall zu hören, das brennende Auto. Schnell ist der Nachwuchs zur Stelle: Mit einem trommelartigem Aufsatz auf dem Schlauch geht's ans Werk. "Wenn mit Schaum gelöscht wird, ist dieses Teil nötig", erklärt der Maschinist. "Brand gelöscht", ruft der Angriffstrupp. Betreuerin Jessica Schmidt funkt's an den Einsatzleiter, Reichelsheims Jugendwart Benjamin Freiter, der vom Einsatzleitwagen ELW2 der Wetterauer Feuerwehren das Geschehen koordiniert. "Übung beendet", spricht er ins Mikrophon. "Es ist eine Besonderheit, dass der Einsatzleitwagen hier sein kann", sagt Freiter, der als Katastrophenschützer für das Fahrzeug in Echzell zuständig ist. "Später können sich die Jugendwehren diese Technik anschauen."

Zufrieden schaut Silke Marloff den Jugendlichen zu, wie sie die Einsatzfahrzeuge wieder mit aufgerollten Schläuchen, Tragen, Lampen, Rohren bestücken. Aufräumen. "Das war eine sehr schöne Übung", lobt sie. Anfangs wirkte einiges etwas unorganisiert, das sei bei so vielen Jugendliche, die teilweise erstmals bei einer Gemeinschaftsübung dabei waren, normal. "Wir üben, damit wir etwas lernen und das geht nie ohne Fehler." Ein Extra-Lob gab's für die Betreuer der Dorn-Assenheimer Jugendwehr, die selbst vor kurzem noch in der Jugendwehr aktiv waren und nun kurzfristig Jugendwart und Vertreter, ersetzten. "Das haben sie super erledigt." Als Dank gab's für alle Beteiligten anschließend im Reichelsheimer Feuerwehrhaus Mittagessen und die Einsicht: "Es war anstrengend, aber schön", meinten Yannick und Simon.

Text und Bilder: Ines Dauernheim (freie Journalistin)